Der Tag, an dem mein Leben stehen blieb - und neu begann.
- Petra Sternkopf
- 28. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Juli

"Manchmal endet ein Leben.
Und genau dort beginnt ein anderes."
Der Perfektionismus wollte auch diesen Text schreiben.
Ich habe lange darüber nachgedacht, womit ich meinen ersten Blog beginnen möchte.
Und da war er wieder - mein alter Begleiter.
Der Perfektionismus.
Was ist der richtige erste Beitrag? Was erwarten die Menschen? Sollte ich lieber mit einem Fachthema beginnen? Oder mit einer Meditation? Oder mit einem praktischen Tipp?
Dann musste ich über mich selbst schmunzeln.
Denn genau das hätte die Petra von früher getan.
Alles richtig machen wollen.
Alles kontrollieren.
Nichts dem Zufall überlassen.
Heute weiß ich, dass die schönsten Dinge entstehen, wenn wir aufhören, alles kontrollieren zu wollen.
Wenn wir beginnen, dem Leben wieder zuzuhören.
Also lasse ich diesen ersten Blog einfach fließen.
Denn genau so hat auch meine eigentliche Reise begonnen.

Es gibt Tage, die unser Leben in ein Davor und Danach teilen.
Für mich war es der Tag, an dem mein Vater starb.
Kummer und Trost.
Leben und Tod.
Liebe und Schuld.
Manchmal liegen sie näher beieinander, als wir glauben.
Der Tag an dem alles anders wurde.
Mein Vater und ich waren schon immer sehr eng verbunden.
Als meine Mutter starb, wurde diese Verbindung noch intensiver.
Wir hatten nur noch uns.
Dann kam dieser eine Tag.
Völlig unerwartet.
Mein Vater erlitt einen Schlaganfall.
Ich fand ihn zu spät.
Der Tag, an dem wir für ihn beschlossen, die Maschinen abzustellen, war der schwerste meines ganzen Lebens.
Es gibt keine Worte dafür.
Und doch geschah an diesem Tag etwas, das ich damals unmöglich hätte verstehen können.
Heute, viele Monate später, kann ich sagen:
"An diesem Tag starb nicht nur mein Vater.
An diesem Tag begann auch mein neues Leben."
Nicht, weil ich bereit dafür gewesen wäre.
Sondern, weil das Leben mich dazu eingeladen hat.
Damals fühlte sich nichts nach Neubeginn an.
Ich fiel.
Sehr teif.
Ich funktionierte.
Ich ging arbeiten.
Ich erledigte meine Aufgaben.
Doch innerlich war ich leer.
Rückblickend erkenne ich etwas, das mir vorher nie bewusst gewesen war.
Ich hatte gelebt.
Aber ich hatte nicht wirklich gelebt.
Mein Leben lief auf Autopilot.
Ich glaube oft, das Leben sei gegen mich.
Ich fühlte mich ungerecht behandelt.
Ich war häufig in der Opferrolle und fragte mich:
Warum passiert immer mir so etwas?
Was Trauer mir beigebracht hat.
Heute sehe ich das anders.
Nicht, weil der Schmerz kleiner geworden ist.
Sondern weil mein Blick sich verändert hat.
Das Leben war nie gegen mich.
Das Leben wollte gelebt werden.
Und manchmal stellt es uns genau die Fragen, von denen wir am längsten davongelaufen sind.
Ein Teil meines Weges war auch mein Perfektionismus.
Lange dachte ich, Perfektion hätte etwas mit Leistung zu tun.
Heute weiß ich:
Für mich war Perfektionismus der Versuch, Kontrolle zu behalten.
Wenn ich alles richtig mache, konnte nichts passieren.
So glaubte ich zumindest.
Doch das Leben lässt sich nicht kontrollieren.
Es schenkt uns wundervolle Momente.
Und manchmal nimmt es uns Menschen, die wir von Herzen lieben.
So schmerzhaft das ist - gerade diese großen Ereignisse laden uns oft dazu ein, etwas zu verändern.
Denn Hand aufs Herz:
Solange alles bequem läuft, verändern die wenigsten Menschen freiwillig ihr Leben.
Erst, wenn etwas ins Wanken gerät, beginnen wir, Fragen zu stellen.
Wer bin ich eigentlich?
Was brauche ich wirklich?
Was macht mich glücklich?
Mein Weg zurück, begann nicht mit großen Veränderungen.
Es begann mit kleinen.
Sehr kleinen.

Heilung beginnt oft ganz leise.
Ich begann zu meditieren.
Nicht eine Stunde.
Nicht perfekt.
Manchmal waren es nur drei oder fünf Minuten.
Und weißt du, was ich heute oft lächelnd sage?
Gerade die Menschen, die überzeugt sind, sie können nicht meditieren, sind meistens
diejenigen, die sie am meisten brauchen.
Es geht nicht darum, keine Gedanken ,mehr zu haben.
Es geht darum, sich selbst wieder zu begegnen.
Ein weiterer kleiner Schritt war.
Dankbarkeit.
Ganz ehrlich?
Am Anfang fiel es mir unglaulich schwer.
Wie sollte ich dankbar sein, wenn mein Herz voller Trauer war?
Ich konnte kaum etwas finden.
Manchmal war ich dankbar für eine Tasse Tee.
Oder dafür, dass an diesem Tag die Sonne schien.
Das war alles. Aber ich blieb dran.
Und Woche für Woche wurde es leichter.
Irgendwann merkte ich, dass Dankbarkeit meinen Blick veränderte.
Nicht weil plötzlich alles gut war.
Sondern weil ich begannn, das Gute wieder wahrzunehmen.
Achtsamkeit
Auch Achtsamkeit wurde zu einer wichtigen Begleiterin.
Nicht kompliziert.
Ganz einfach.
Ich begannnn bewusster zu essen.
Zu schmecken.
Zu riechen.
Den Wind auf meiner Haut wahrzunehmen.
Die Farben des Himmels zu beobachten.
Manchmal fuhr ich einen anderen Weg zur Arbeit.
Nicht weil es schneller war.
Sondern weil mein Gehirn dadurch wieder aufmerksam wurde.
Ich begannnn wieder zu sehen.
Das Leben
Und mich selbst.
Heute begleite ich Menschen auf ihrem eigenen Weg.
Nicht, weil ich alle Antworten habe.
Sondern weil ich erfahren durfte, dass die wichtigsten Antworten bereits in uns liegen.
Manchmal brauchen sie nur einen geschützen Raum.
Zeit.
Und jemanden, der ein Stück des Weges mitgeht.
Wenn du gerade selbst in einer schweren Zeit steckst, möchte ich dir etwas mitgeben.

Mein Herzimpuls für dich.
Du musst heute nicht dein ganzes Leben verändern.
Vielleicht reicht für heute ein einziger kleiner Schritt.
Drei Minuten Stille.
Ein bewusster Atemzug.
Ein Spaziergang.
Eine warme Tasse Tee.
Oder die Frage:
"Was würde mir heute guttun?"
Vielleicht beginnnnt genau dort die Veränderunng.
Nicht laut.
Nicht spektakulär.
Sondern leise.
So wie sie auch bei mir begonnnen hat.
Und vielleicht wirst du eines Tages zurückblicken und erkennnen.
Der Tag, an dem alles zerbrochen ist, war gleichzeitig der Tag, an dem dein Weg zurück zu dir selbst begann.
Frage an dein Herz
Welche Erfahrung in deinem Leben hat dich - rückblickend - am stärksten verändert?



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